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Autorenlesung von Uwe-Michael Gutzschhahn im Rahmen der 1. Tübinger Kinder- und Jugendmedienlecture

Am Freitag, den 10.12.2021, fand im Rahmen der 1. Tübinger Kinder- und Jugendmedienlecture unter 2G+-Bedingungen in der Aula des Uhland-Gymnasiums in Tübingen eine Autorenlesung mit Uwe-Michael Gutzschhahn statt. Initiiert wurde das Projekt von Prof. Dr. Carolin Führer, Inhaberin des Lehrstuhls für Deutsche Philologie und Didaktik der Deutschen Literatur am Deutschen Seminar der Universität Tübingen. Geplant und durchgeführt wurde das Projekt von Studienrätin Marisa Eifler, die neben ihrer Lehrtätigkeit am Uhland-Gymnasium germanistische Seminare an der Universität Tübingen gibt.

Prof. Dr. Führer hob in ihrer Begrüßung zu Anfang der Lesung die Bereicherung der universitären Arbeit durch die Kooperation mit Schulen hervor und bedankte sich beim Uhland-Gymnasium für die Veranstaltung der Lesung sowie die Bereitstellung der Räumlichkeiten unter den erschwerten pandemischen Bedingungen. Nicht zuletzt bedankte sie sich auch bei Herrn Gutzschhahn, der extra aus München angereist war, für die Möglichkeit, den Schülerinnen und Schülern seine Gedichte näherzubringen, und so Lesebegeisterung anzustoßen. Finanzielle Unterstützung erfuhr das Projekt dankenswerterweise durch das Deutsche Seminar der Universität Tübingen sowie den Friedrich-Bödecker-Kreis.

Der Autor Uwe-Michael Gutzschhahn studierte Germanistik und Anglistik an der Ruhr-Universität Bochum und promovierte dort 1978. Nach langjähriger Arbeit in Verlagen ist er seit 2001 als freiberuflicher Autor, Übersetzer, Lektor, Literaturagent und Herausgeber tätig und hat sich unter anderem durch seine zahlreichen Kindergedichtbände und Lyrikanthologien einen Namen gemacht. 2018 wurde er mit dem Großen Preis der Volkacher Akademie für Kinder- und Jugendliteratur für sein Gesamtwerk ausgezeichnet. In der Lesung trug er hauptsächlich Gedichte aus seinen 2012 und 2018 erschienenen Büchern „Unsinn lässt grüßen“ und „Die Muße der Mäuse“ vor.

Mit der Planung und Durchführung der Lesung waren seit Oktober hochbegabte Schülerinnen und Schüler einer siebten Klasse des Uhland-Gymnasiums unter Leitung von Lehrerin Marisa Eifler beschäftigt. Frau Eifler unterrichtet die Schülerinnen und Schüler im Fach „Mensch-Welt-Wissenschaft“, das hochbegabten Schülerinnen und Schülern ermöglichen soll, Kompetenzen über fachliche Inhalte hinaus zu erwerben. Ein zentraler Bestandteil ist dabei die Planung und Durchführung von Projekten im Klassenverband. Für die Planung der Lesung bildeten die Schülerinnen und Schüler verschiedene Gruppen, die sich arbeitsteilig mit der Moderation, Technik und weiteren für die Lesung relevanten Aspekten beschäftigten. Eine Gruppe richtete etwa in den beiden Tübinger Buchhandlungen Vividus und Quichotte eine Leseecke ein, in der Werke von Uwe-Michael Gutzschhahn präsentiert werden. Unterstützt wurden die Schülerinnen und Schüler von Lehramtsstudierenden eines sich mit Autorschaft in Literaturtheorie und -didaktik beschäftigenden germanistischen Seminars von Marisa Eifler.

Insgesamt wohnten der Lesung etwa 100 Schülerinnen und Schüler der fünften und siebten Klassen des Uhland-Gymnasiums, Lehrerinnen und Lehrer, Studierende und weitere Lyrik-Begeisterte bei. Coronabedingt konnten leider nicht wie anfangs geplant verschiedene Schulen des Regierungspräsidiums eingeladen werden, dies ist aber für die 2. Tübinger Kinder- und Jugendmedienlecture vorgesehen.

Zum Auftakt der 1. Tübinger Kinder- und Jugendmedienlecture besuchte Uwe-Michael Gutzschhahn am Tag vor der Lesung das Seminar der Lehramtsstudierenden. Es fand ein reger und für alle Beteiligten inspirierender Austausch über Intentionen sowie Herausforderungen im Schreibprozess des Autors statt. Gutzschhahns Ziel sei es vor allem, Kindern in seinen Lesungen zu zeigen, dass man sich in der Fantasie alles vorstellen kann: „Sprache kann viel mehr ausdrücken, als in der Realität möglich ist“. Wenn die Kinder dabei erkennen, dass man mit Sprache spielen könne, sei dies besonders schön für ihn. Am Ende der Seminarsitzung gab Herr Gutzschhahn den Studierenden noch eine Anregung für die spätere Berufspraxis mit auf den Weg: „Lesen Sie den Schülerinnen und Schülern vor jeder Stunde ein Gedicht vor. Sie werden merken, wie das nach einiger Zeit zum Ritual wird und die Schüler das Gedicht aktiv einfordern, falls es einmal ausbleibt. Das funktioniert bis in die Oberstufe“.

Bei der Lesung am Freitag lauschte das Publikum gespannt den von Uwe-Michael Gutzschhahn klangvoll vorgetragenen Gedichten. Besonders in Erinnerung blieb zum Beispiel ein von Gutzschhahn rezitiertes Lautgedicht, in dem er ein Gespräch zwischen einer Krähenfamilie zum Ausdruck brachte. Neben seinem Haus in München befände sich ein Park, in dem Krähen zu hören seien. Beim Spazieren habe er sich immer gefragt, was sich diese gegenseitig erzählten. Eines Tages habe er es dann verstanden, erzählte er den faszinierten Kindern. Einen weiteren Höhepunkt stellte das Gedicht dar, das die Schülerinnen und Schüler mit Herrn Gutzschhahns Hilfe verfassen durften. Dabei machte er die sich zahlreich zu Wort meldenden Kinder auf Rhythmik, Klang und Reimschema von Gedichten aufmerksam. Gutzschhahn zeigte sich begeistert über die kreativen Einfälle der Schülerinnen und Schüler wie „Nikolausbaum“ oder das sich darauf reimende „Windhausraum“. Viel zu schnell für viele kam die Lesung nach gut einer Stunde zu ihrem Ende.

„Es war eine sehr entspannte und angenehme Atmosphäre während der Lesung. Besonders fasziniert hat mich, wie Herr Gutzschhahn die Schülerinnen und Schüler mit seinen Gedichten in den Bann gezogen hat“, befand Studentin Alicia Thümmel im Nachgang. Dies bestätigte auch Lehrerin Marisa Eifler. Es habe sie sehr gefreut, wie schnell sich die Schülerinnen und Schüler auf die Gedichte Gutzschhahns eingelassen haben, gespannt zuhörten, aber auch aktiv beim Verfassen des Gedichts mitwirkten. Wie Herr Gutzschhahn die Freude an Lyrik zu vermitteln vermochte, sei beispielhaft. „Eine solche Veranstaltung trägt in besonderem Maße zur Lese- und Schreibmotivation der Schülerinnen und Schüler bei. Einige wollten danach gleich selbst Gedichte verfassen,“ so Frau Eifler abschließend. 

Im Anschluss an die Lesung fanden sich einige Schülerinnen und Schüler sowie Studierende zu einem Autoreninterview mit Herrn Gutzschhahn zusammen. Auf die Frage einer Schülerin, was für ihn gute Gedichte ausmache, antwortete der Autor, dass sich ein Gedicht nicht komplett selbst erschließen lassen dürfe, es müsse immer ein kleines Rätsel bleiben. „Der poetische Dreh, der alles ad absurdum führt, macht ein Gedicht besonders und kreiert einen magischen Moment“, so Gutzschhahn.

Insgesamt war die Autorenlesung mit Uwe-Michael Gutzschhahn eine große Bereicherung für alle Beteiligten. Besonders die Schülerinnen und Schüler hatten die Möglichkeit, Literatur und Gedichte neu für sich zu entdecken. Ein besonderer Dank gilt daher Herrn Gutzschhahn, der mit seiner engagierten und nahbaren Art in der Lesung wesentlich zur Förderung der Lesemotivation der Kinder beigetragen hat. Auch der Autor selbst zeigte sich begeistert von den engagierten Schülerinnen und Schülern der fünften und siebten Klassen sowie den Studierenden zusammen mit Marisa Eifler. Als Dankeschön ließ er allen eine Weihnachtskarte mit dem in der Lesung verfassten sowie einem selbst geschriebenen Gedicht zukommen und richtete per Sprachnachricht einige Tage nach der Lesung noch persönliche Worte an die Schülerinnen und Schüler der siebten Klasse. Im Sommer soll bereits die 2. Tübinger Kinder- und Jugendmedienlecture stattfinden, die sich dann an Schülerinnen und Schüler höherer Klassen wenden wird.

Autorin: Elena Leuze (Studentin)